Geschlossene Fonds nur für vermögende Privatanleger?

Wie die Financial Times Deutschland in der heutigen Ausgabe berichtet, plant das Bundesministerium für Finanzen eine grundlegende Änderung des Marktes für geschlossene Beteiligungen. Vor dem Hintergrund der finanziellen Schieflage verschiedener Angebote und unter Berücksichtigung des EU-Regelwerk für alternative Investmentfonds (AIFM), welches bis Juli 2013 in nationales Recht überführt werden muss, sieht ein der FTD vorliegender Gesetzesentwurf z.B. die Anhebung der Mindestanlagesumme auf 50.000 Euro vor. Ebenfalls geplant ist eine Obergrenze für die Kreditaufnahme, so sollen geschlossene Fonds künftig nur noch bis zu maximal 30% ihres Anlagevolumens über Kredite finanzieren dürfen um eine Vertriebszulassung zu erreichen.

Ein-Objekt-Fonds vs. Mehr-Objekte-Fonds

Die Reaktion der geschlossene Fonds Anbieter wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lange auf sich warten lassen und die Nachteile einer solchen Einschränkung auf den Finanzplatz Deutschland und die Arbeitsplätze der Branche enthalten. Möglich, dass der Gesetzgeber eine ähnliche Befürchtung hegt und deshalb bereits in diesem Entwurf einen mit der Klassifizierung von Ein-Objekt-Fonds und Mehr-Objekte-Fonds den Ausweg für die allermeisten Anbieter vorgesehen hat.

Typische Ein-Objekt-Fonds wie z.B. die Hollandfonds aus dem Haus Wölbern sind schon fast die Ausnahme innerhalb dieses Anlagesegments. Mehr-Objekt-Fonds, die auch künftig ab Mindestbeteiligungssummen von 5.000 oder 10.000 Euro zu vertreiben sein werden, erfreuen sich schon jetzt großer Beliebtheit. Hier werden verschiedene Investments (z.B. Flottenfonds, Immobilienportfolios, Solarparks, Windkraftwerke, Wasserkraftwerke) derselben Anlageklasse gebündelt, eben weil dadurch das Anlagerisiko deutlich gemindert werden kann und Investoren gleich welcher Anlagesumme dies verstärkt nachfragen.

Ist das gut für geschlossene Fonds Investoren?

Ob die geplante Unterscheidung sinnvoll ist, ist derzeit schwer abzusehen und hängt maßgeblich davon ab welche weiteren Änderungen für geschlossene Fonds geplant sind. Mehr Objekte pro Fonds sind nämlich nicht unbedingt dazu geeignet die Transparenz zu erhöhen, da Initiatoren häufig zunächst eine „Initialportfolio“ erwerben (also eine erste Anlage der Klasse) und dann je nach Höhe des eingesammelten Kapitals weitere Anlagen werben. Dieses Blindpool-Konzept lässt sich für Anleger kaum vorab bewerten, so dass eine grundsätzliche, faktische Bewertung eines geschlossenen Fonds kaum mehr möglich sein wird.