Geschlossene Fonds Bewertung – die Kriterien der Profis

Wenn über Fonds als Anlagemöglichkeit berichtet wird, sind damit meist offene Fonds gemeint. Bei diesen können Interessierte zu jedem Zeitpunkt Anteilsscheine erwerben. Zudem wird das Kapital in eine Produktpalette investiert, deren Zusammensetzung sich ändern kann. Das typische Beispiel sind Aktienfonds. Das Gegenteil davon sind geschlossene Fonds: Bei diesen können Anleger im Emissionszeitraum Anteilsscheine bis zur Höhe eines festgelegten Kapitalbetrages erwerben. Zuvor steht fest, zu welchem Zweck das Geld eingesetzt wird. Dies kann beispielsweise der Bau von Windkraftanlagen oder der Kauf von Immobilien sein.

Sachwertanlage mit geschlossenen Fonds Nach- und Vorteile

Wer geschlossene Fonds einer Bewertung unterziehen will, muss sowohl die grundsätzlichen Vor-und Nachteile dieser Anlageform begutachten. Aufgrund einer Reform des Steuerrechts 2005 sind Steuervorteile nur noch ein schwaches Argument. Vielmehr steht nun die Rendite im Vordergrund. Geschlossene Fonds konzentrieren sich auf bestimmte Geschäftsfelder, bei denen mit Investitionen ansprechende Gewinne erzielt werden können. Die dafür benötigte Summe ist aber so groß, dass sie einzelne Personen nicht alleine tragen können. Deswegen wird auf das Fondsmodell zurückgegriffen, um das erforderliche Kapital gemeinsam aufzubringen. Die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Rendite im Vergleich zu offenen Fonds ist zudem hoch, weil das gesamte Kapital gewinnträchtig investiert werden kann. Bei offenen Fonds muss dagegen ein beträchtlicher Anteil niedrig verzinst als Barreserve bereitgehalten werden, um bei Verkäufen die Anleger auszuzahlen. Als Nachteil ist zu nennen, dass sich Anleger sehr lange an einen geschlossenen Fonds binden (sollen bzw. müssen) sofern nicht der geschlossene Fonds Verkauf über den Zweitmarkt erfolgen soll.

Initiatoren (Fondsgesellschaften) kaufen die Anteile an geschlossenen Beteiligungen entweder gar nicht oder nur mit hohen Abschlägen zurück. Der Anlagezeitraum beträgt gewöhnlich zwischen zehn und dreißig Jahren. Verbraucherschützer bezeichnen geschlossene Fonds in der Bewertung außerdem als risikobehaftete Anlage, weil bei einer schlechten Wertentwicklung die gesamte Einlage verloren werden kann. Bei manchen Fonds besteht sogar eine Haftung mit dem Privatvermögen, also eventuell eine Nachschusspflicht. Vor Vertragsabschluss sollte dieser Punkt unbedingt geklärt werden.

Der Verkaufsprospekt ist das wesentliche Entscheidungskriterium

Experten beurteilen geschlossene Fonds bei einer Bewertung zudem nach dem jeweiligen Geschäftsmodell. Hierfür müssen die umfangreichen Emissionsunterlagen unter die Lupe genommen werden. Zuerst gilt es dabei zu fragen, ob das jeweilige Anlageobjekt tatsächlich die versprochene Rendite abwerfen kann. Sind die Prognosen also schlüssig? Investiert ein Fonds beispielsweise in Immobilien einer Großstadt, in welcher der Mietmarkt in einigen Jahren aufgrund von Spekulationsblasen zusammenbrechen könnte, ist von solch einem Fonds abzuraten. Eine gute Orientierung bieten die bisherigen Entwicklungen von geschlossenen Fonds des gleichen Emittenten. Wenn bei denen die Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen werden, handelt es sich um qualitativ hochwertige Fondsbetreuung. Geschlossene Fonds einer Bewertung zu unterziehen, erfordert viel Zeit. Diese sollte sich jeder Interessierte angesichts der langen Laufzeit nehmen.