Geschlossene Fonds verkaufen – kann man sich von seiner Beteiligung auch wieder trennen?

Investmentfonds – im wirtschaftlichen Kontext oft nur kurz als Fonds bezeichnet – bieten ihren Käufern die Möglichkeit, Geld in verschiedenen Investitionsobjekten anzulegen. Eine Besonderheit von geschlossenen Fonds besteht darin, dass diese in der Regel nur in einem vorher festgelegten Platzierungsraum von Investoren erworben werden können und dann geschlossen werden. Im Gegensatz zu offenen Investmentfonds findet keine tägliche Berechnung des Anteilwertes statt. Auch die Möglichkeit, die Anteile bei Bedarf an den Emittenten zurückzugeben, besteht nicht. Diese Tatsachen führen teilweise zu der – nicht zutreffenden – Annahme, dass sich vor Ende der Laufzeit geschlossene Fonds nicht verkaufen ließen.

Geschlossene Fonds kaufen

Klassische Investitionsgüter für geschlossene Fonds sind Immobilien, kostspielige Transportmittel wie Schiffe oder Flugzeuge und in den letzten Jahren vermehrt Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie wie Wind- oder Solarkraftwerke. Vor November 2005 waren sie als Anlageform besonders beliebt, weil sich – besonders für Anleger mit hohen Steuersätzen – attraktive steuerliche Vorteile generieren ließen. Seit mehreren Jahren bestehen diese Möglichkeiten aber kaum noch, sodass es für Emittenten tendenziell schwerer ist, geschlossene Fonds zu verkaufen.

Dennoch gibt es immer noch Argumente, die für die Investition in geschlossene Fonds sprechen. So muss die emittierende Gesellschaft etwa nur eine geringe Barreserve halten, weil sie nicht damit rechnen muss, dass Anleger geschlossene Fonds verkaufen, indem sie ihre Anteile an den Emittenten zurückgeben. Dadurch lassen sich gegebenenfalls höhere Renditen erzielen. Zudem kann sich die Anlage durch spezielle Konzeptionen oder die Investition in besondere Anlageobjekte lohnen.

Geschlossene Fonds verkaufen

Weil er für Investoren schwerer ist, geschlossene Fonds zu verkaufen, verlieren sie als Anlagegut allerdings auch an Attraktivität. Der Verkäufer muss nämlich selbst nach einem Käufer suchen. Das ist aber oft diffizil, schon weil der Anteilswert eben nicht täglich objektiv festgestellt wird. Es existieren zwar Versuche einen funktionierenden Zweitmarkt zu etablieren, an dem ein Handel stattfinden soll. Dennoch gestaltet es sich auch hier in der Regel schwierig, geschlossene Fonds zu verkaufen. Oft werden hier nur bestimmte, besonders große Fonds überhaupt gehandelt. Zudem sind die Kaufangebote für Verkäufer oft wenig attraktiv, weil der ´fair value` unsicher und schwierig zu berechnen ist und deshalb in der Regel konservativ geschätzt wird. Der Versuch geschlossene Fonds zu verkaufen wird oft auch durch einen Passus im Gesellschaftervertrag erschwert, laut dem jede Transaktion der Zustimmung des Fondsmanagements bedarf.

Somit lassen sich zwar geschlossene Fonds verkaufen. Angesichts des Aufwandes und des wahrscheinlich wenig attraktiven Preises lohnt es sich oft aber nur dann geschlossene Fonds zu verkaufen, wenn der Verkäufer dringend Liquidität benötigt oder mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat.